So war: Das Øya Festival in Oslo

Auch im Mikrokosmos Festival bedeuten mehr wuselnde Individuen mehr Stress – mehr Dreck, mehr Siff, mehr Schweiß, mehr Gepöbel und Gepose. Das kleine Øya in Oslo ist anders. Im Mittelalter Park befindet sich eine Insel des guten Geschmacks, der Liebe zum Detail, der freundlichen Menschen und so ziemlich das Gegenteil von allem, was Festivals sonst so anstrengend macht.

Mit 15.000 Besuchern ist das Øya stets ausverkauft, aber immer noch sehr überschaubar. Die Gäste campen nicht, sie schlafen, duschen und essen zu Hause. Um 23:00 Uhr ist der letzte Gig gespielt – dann wird gewissenhaft aufgeräumt. Wer weiterfeiern möchte, besucht eine der zahlreichen Aftershow-Partys und Clubs.

Niemand muss sich hier Spielzeugautos um den Hals hängen, um sich besonders zu fühlen. Die Menschen sind meist auf abgeklärte Art stilbewusst und oft selbst in erbärmlicher All-Wetter-Tracht noch wunderschön. Getorkelt wird wenig, gekotzt noch weniger und wer Glück hat, übersteht eine ganze Headlinershow ohne eine einzige Bierdusche.

Wer das Chaos liebt, ist hier fehl am Platz. Für alle anderen interessierten Musikliebhaber buchen die Organisatoren seit nunmehr 13 Jahren stets die Hype-Acts der nächsten Stunde, skandinavischen Radio-Pop zum Liebhaben, nordische Newcomer und alte internationale Helden. So haben sich dieses Mal beispielsweise Blur und Kraftwerk mobilisiert, um zu bestätigen, dass sich langlebige Hits schlichtweg am besten feiern lassen. Aber vor allem die Auswahl norwegischer Bands ist für die Besucher spannend. Keine Angst vor Sprachbarrieren, das passt immer irgendwie – so wie alles bei diesem sympathischen Festival.

 

Wer zwischenzeitlich mal genug vom Festivaltrubel hat, der vergnügt sich einfach in der Stadt. Hier ist alles nur einen Katzensprung voneinander entfernt: Oper, Vigeland-Park, Munch-Museum, Fjord-Trip.

 

Alte Helden

Es hätte die erste große Peinlichkeit des Festivalauftakts werden können. Aber wir sagen ja, die Olsoer sind nett. Empathisches Arme-schwenken für den alternden Wu-Tang Clan, der die Energie somit ganz offiziell noch gespürt hat.

Wenn Mr. Albarn mit einem Gimmick besonders Glück hatte, dann mit dem Abendhimmel über Oslo. Blurs Øya-Begeisterung war deutlich zu spüren: „Girls And Boys“ zum Auftakt, „Song 2“ zum Schluss. Das hätte an Brit-Pop-Emotionen nur ein „Wonderwall“-Cover überbieten können.

Singer/Songwriter Rodriguez ist so alt, wie er aussieht. Mindestens. Dennoch durfte er sich mit seinen Songs auch über die Zuneigung der jungen Festivalgäste freuen, die auch artig über seine Pausen-Witze lachten: „Two cannibals are eating a clown … One says to the other:Does this taste funny to you?“ Alles klar.

Bitteschön: Vor ihrem Headliner-Gig am Freitag ließen Kraftwerk 3-D-Brillen auf dem Gelände verteilen. Eineinhalb Stunden digitale Musikgeschichte mit abschließendem „Solo“ der vier Beteiligten. Skurril? Ohne Frage!


FluxFM Neuentdeckungen

 John Olav Nilsen og Gjengen

Was macht dieser nette Hand- und Hals-tätowierte junge Mann für Musik? Richtig: Norwegischen Radio-Pop mit ganz viel: „Verlass mich nicht. Ich liebe dich. Wer liebt mich sonst noch so?“ Ganz ehrlich? Wer hier nicht mitschwingt, boxt auch Katzenbabys.

Nils Bech

Applaus für den leiblichen Sohn von Patrick Wolf und Hurts. Für den norwegischen Performance-Künstler Nils Bech ist ein Konzert mehr als bloße Singerei. Das Bühnenbild sieht aus wie im Baumarkt gestohlen, die Alufolie fungierte später noch als Toga-Outfit und das Drama wirkt so überdreht, wie Nils‘ Liebeskummer schmerzhaft ist. Spitzenshow.

Comet Kid

Leute mit Jeansphobie müssen um diese Band einen Bogen machen, aber sie würden ordentlich was verpassen. Dieses Quartett hat den Soul zum Frühstück gegessen und baut ihn in schmissigen Countryrock mit Kontrabass ein. Klingt fies, ist in der Umsetzung aber eine große musikalische Hoffnung.

Death by Unga Bunga

Ein Sänger der aussieht wie He Man mit Schnurrbart? Wir sind dabei. Das Quintett aus Oslo hat in seiner Heimat schon den Spellmannprisen (so was wie der norwegische Grammy) abgeräumt. Wir würden den Jungs auch einen Preis verleihen. Vielleicht sogar zwei, einen für den Look und einen für ihren kickass Garagenrock.

Außerdem  für gut befunden:

Kid Astray, Truls, Dråpe, Alfred Hall, Razika, Hvitmalt Gjerde…..



Alle Infos zum Øya Festival gibt es hier:
www.oyafestivalen.com

Einige der Auftritte kann man sich hier angucken.

Der Vorverkauf für 2014 hat begonnen.

 



15.08.2013

Øya on Air:
Samstag, 17. August
17 Uhr
Musikalische Neuentdeckungen
vom Øya 2013

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