re:publica 2013 zwischen Gegenwart und Zukunft

Ein Bericht von FluxFM-Hörerin und -Ticketgewinnerin
Chiara Strobel.


Nein, ich möchte nicht mit „Klassentreffen“ der Netzgemeinschaft, Club Mate oder Nerds beginnen. Die re:publica ist in den letzten sieben Jahren mehr geworden als ein überschaubares Zusammenkommen von ein paar Internet-Kennern: 5.000 Besucher aus 50 Ländern und 263 Vorträge auf 11 Bühnen. Und ich durfte dank FluxFM dabei sein! Als ich am Montagabend zum Gleisdreieck fuhr und schon auf den ersten Metern des Veranstaltungsgeländes bekannte Twitter-Gesichter, Politikerinnen & Politiker der Piratenpartei und vertraute Blogger sah, war es die Bestätigung vom Erwarteten und eine große Vorfreude auf das was kommen sollte: Die „Netzgemeinschaft“ nicht nur digital zu beobachten, sondern auch mal live zu hören, was sie zu sagen haben. Und das war einiges!

FluxFM hatte bei einem Gewinnspiel gefragt, welche Themen auf der re:publica besprochen werden sollten. Viele antworteten mit „Netzneutralität“. Gerade nach den neuen Plänen der Deutschen Telekom war das ein heiß diskutiertes Thema der Konferenz und der Irrsinn wurde passend vom Account „Deutsche Drosselkom“ im Toptweet der re:publica zusammengefasst: „Sorry, aber so geht das nicht weiter! #rp13 Tweets sind ab jetzt nur noch in Berlin sichtbar, außer Sie buchen ein Reichweiten-Zusatz-Paket.“

Auch Sascha Lobo nahm das Thema der Netzneutralität und vor allem der Netzpolitik in seinem Überraschungsvortrag am Montag auf – und kam zu dem simpel klingenden Fazit: „Machen!“ Die re:publica zeigte, dass wir gerade in einer Zeit des Netzes leben, in der wir nicht länger über Zukunft, sondern über die Gegenwart sprechen sollten. Die von Sascha Lobo so bezeichnete „Hobbylobby“ der Netzgemeinschaft müsse Ideen entwickeln, die die Politik überzeugen. Man dürfe nicht länger davon ausgehen, dass die Politik das Internet einfach in Ruhe lässt. „Netzpolitik“ ist vor allem Politik und ganz wenig Netz, so Lobo.

Zur viel besprochenen Zukunft des Internets, der Netzgemeinschaft, der Arbeit oder des Lernens sagte auch Teresa Bücker – Bloggerin, Feministin und Politikberaterin – etwas Eindrückliches in ihrem Vortrag „Der Montag liebt dich“: „Ich glaube, so lange wir immer noch weiter von der Zukunft reden, bewegen wir uns nicht wirklich, weil der Begriff dazu führt, dass wir abwarten und gucken, was passiert. Die Zukunft, über die wir sprechen … wir meinen damit die Gegenwart, wir müssen jetzt anfangen!“

Also: machen! Und das: heute! Nicht schauen, was in der Zukunft so kommen könnte, würde, eventuell sein wird. Diese Ideen wurden weitergeführt im Motto der re:publica: IN/SIDE/OUT. Herauskommen aus dem Raum des Internets und Verbindungen zum realen Leben schaffen. Wie kann man beispielsweise einen Fernseh-„Rezipienten“ weiter einbinden? Der SWR stellte dafür seine Projekte „Zeit der Helden“ und „Tatort+ 2013“ vor, in denen Zuschauer interaktiv bei den Sendungen dabei sein können.

Was kann man durch die Aufschrei-Debatte von Twitter jetzt umsetzen? Wie wird Social Media im Bundestagswahlkampf genutzt? Sollte man eine Bewerbungs-Kampagne im Internet mit Videos, Blogs und Twitter starten, wie Christine Heller, um den richtigen Job zu finden? Und wie sieht das eigentlich alles in Asien mit Bloggen und Twittern aus? Die re:publica zeigte, dass es selten nur eine Antwort auf diese Fragen gibt. Viel mehr wurden Perspektiven diskutiert. Genau diese oft unterschiedlichen Perspektiven und Möglichkeiten machten auch die Gespräche in der re:fill-Bar und zwischen den Sessions so spannend.

Wer böse behauptet, dass es nur den einen „digitalen Nerd“ gibt, liegt falsch. Von Bloggern und Medienmachern über Gamer oder Programmierer bis hin zu Wissenschaftlern war alles auf der re:publica vertreten. In den Gesprächen zeigten sich die unterschiedlichsten Blinkwinkel, aber mit einem gemeinsamen Wunsch: Das Internet soll „frei“ bleiben! Und trotz der viel diskutierten Gegenwart kam ich mir ein bisschen wie in der Zukunft vor, wenn die Besucher mit ihren Tablets umherliefen und eine filmende Drohne über das Gelände flog, während der 3D-Drucker kleine Figuren herstellte. Tweets wurden parallel zu den Sessions über die Vorträge geschrieben, die mit dem passenden Hashtag begannen, und der Sitznachbar musste gleich mal ein Bild von der Präsentation bei Instagram, Facebook und Twitter gleichzeitig posten.

Und all das machte die re:publica zu drei spannenden und vor allem inspirierenden Tagen. Sie selbst hatte sich den Slogan „Die Konferenz. Das Ereignis.“ gegeben – und das war es auch! Ein Ereignis aus einer spannenden Mischung zwischen Gegenwart und Zukunft. Zur Abschlussveranstaltung sangen alle gemeinsam „Bohemian Rhapsody“ – und mit der Frage des Songs endete auch für mich die re:publica 2013 mit Vorfreude auf das nächste Jahr: „Is this the real life or is this just fantasy?

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Text und Bilder: Chiara Strobel.



11.05.2013

Text und Bilder:
Chiara Strobel.

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