Filthy Boy, Lily & Madeleine und Radical Face

Filthy Boy – Smile That Won’t Go Down

Voyeure, Stalker, Sado-Maso-Liebhaber. Das Debüt des Londoner Quintetts Filthy Boy ist voller dunkler Figuren und schlüpfriger Geschichten. Da ist zum Beispiel der Fan, der sein Idol kidnapped und abstruse Sexpraktiken an ihm ausprobiert. Am Ende wird der Übeltäter von der Polizei erschossen. Man hört sofort, Filthy Boy sind Nick Caves Kinder im Geiste. Aufgenommen wurde Smile That Won’t Go Down im Studio von Edwyn Collins. Der versorgte die Band mit Pizza und reichlich Whiskey. Gekonnt verpasst Collins der Band einen Sound zwischen Arctic Monkeys und Franz Ferdinand. Und wer so klingt, wird natürlich in England von der Presse gefeiert. Ihren eigenen Sound müssen Filthy Boy zwar erst noch finden. Doch die wahre Stärke der Band liegt in den düsteren Geschichten.

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Lily & Madeleine – Lily & Madeleine

Das komplette Kontrastprogramm zu Filthy Boy bieten Lily & Madeleine aus Indianapolis. Die Schwestern wurden mit Cover-Songs auf Youtube bekannt. Nach und nach schrieben die 16-jährige Lily und ihre zwei Jahre ältere Schwester gemeinsam eigene Folk-Songs. Nur an Wochenden oder in den Schul-Ferien blieb Zeit, die Lieder aufzunehmen. Sufjan Stevens zeigte sich sofort begeistert vom wunderbaren Harmonie-Gesang der Schwestern. Auf Stevens Label erscheint nun auch das entzückende selbstbetitelte Debüt von Lily & Madeleine. Mal erinnern ihre Songs an Simon and Garfunkel, mal an First Aid Kit. Lily & Madeleine interessieren sich nicht für Trends. Ihr Album durchzieht eine gewisse kindliche Naivität. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Also ab in die Kuscheldecke, Lily & Madeleine hören und den Blättern beim fallen zusehen.

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Radical Face – The Family Tree: The Branches

Ben Coopers fiktiver Familien-Stammbaum wächst weiter. The Branches ist der zweite Teil der Family Tree Reihe über eine fiktive Südstaaten-Familie. Cooper alias Radical Face singt vom Bürgerkrieg, von Koma-Patienten und mysteriösen Fabriken. Personen und Sounds aus dem ersten Teil The Family Tree: The Roots tauchen wieder auf. Dabei entstehen fein beobachtete, melancholische Folk-Songs. Das Album funktioniert aber auch ohne Konzept. Denn nicht im großen Ganzen liegt der Reiz, sondern in den einzelnen Folk-Stücken, in die man eintaucht wie in einen Film. Ben Cooper alias Radical Face entwickelt sich auf The Family Tree: The Branches zu einem großen Geschichten-Erzähler. Selten wurde ein Konzept-Album so schlüssig umgesetzt wie hier.

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01.11.2013

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