Jake Bugg, Minor Alps und Josephine Foster

Jake Bugg – Shangri-La

Jake Bugg, Wunderkind des englischen Singer/Songwritertums, hat uns erst im letzten Jahr mit seinem Debüt beglückt. Schon ein Jahr später erscheint jetzt sein zweites Album. Die erste Single „What Doesn’t Kill You“ hat uns ein wenig Angst gemacht. Gut ist sie, natürlich. Klang aber doch, als hätte Produzent Rick Rubin Jakey seine Akustikklampfe weggenommen und erst mal E-Gitarre und Lederjacke verordnet. Das Album beruhigt: Shangri La ist ein ziemlich genauer Nachfolger zum Debütalbum, mit genügend akustischem Knarren und Knacksen neben den neuen Spielweisen, die sich Bugg auf diversen Gitarren beigebracht hat. Seiner alte Seele konnte er beim Songschreiben auf Tour anscheinend noch besser Ausdruck verleihen, die Texte sind intensiver, seine Stimme gestärkt. Es gibt viele langweilige Singer/Songwriter, Jake Bugg ist auch weiterhin keiner von ihnen.

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Minor Alps – Get There

Hier tun sich zwei Stimmen großer 90er-Bands zusammen: Matthew Caws (Sänger von Nada Surf) und Juliana Hatfield (als Solomusikerin oder von ihren Bands Blake Babies und Some Girls bekannt) sind zu einem Projekt verschmolzen. Nachdem beide schon bei der Band des jeweils anderen musikalisch ausgeholfen haben, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich Caws und Hatfield mal für längere Zeit aneinander binden. Unter dem Namen Minor Alps verschmelzen zwei Stimmen nun zu einer. Mit leichter Elektronik und fließenden Gitarren mit 90er-Geschmack unterlegt, teilen sich die zwei den Gesang. Nicht im klassischen Duett-Sinn einer nach dem anderen, sondern immer beide gleichzeitig. Genau das ist eben das besondere an dieser Platte – und kann fast darüber hinwegtäuschen, dass auf Get There ein wirkliches Highlight fehlt. Einen heraus stechenden Song gibt es hier nicht, wer Fan von Handwerk und Harmonien ist, den wird das aber vielleicht nicht stören.

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Josephine Foster – I’m A Dreamer

Sie hat Emily Dickinson Gedichte vertont. Sie hat zwei Alben auf Spanisch aufgenommen. Sie hat deutsche Lieder von Schubert und Brahms neu eingespielt. Die Amerikanerin Josephine Foster wandelt mit ihrer Musik elegant zwischen Zeiten und Welten. Und so klingt ihr bereits 8. Solo-Album wie eine Wiederentdeckung aus den 1920ern. Die staubige Shellac-Platte dreht sich hier zu einem Buster Keaton Sketch. Das Klavier klimpert angetrunken vor sich hin. Bar-Jazz kreuzt sich mit Country-Folk. Und Josephine Foster scheint ihre Seele an einer Kreuzung dem Teufel verkauft zu haben. Mit ihrer glasklaren Sopran-Stimme bringt Foster Beerdigungen zum Tanzen und Hochzeiten zum trauern. I’m a Dreamer ist völlig aus der Zeit gefallen. Das ist Weird-Folk im wahrsten Sinne.

 



15.11.2013

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