Alice-Salomon-Hochschule lehrt in der Asylunterkunft Hellersdorf

Um die Flüchtlingsunterkunft in Hellersdorf gibt es seit Monaten Streit. Viele Anwohner lehnen die neue Nachbarschaft ab. Rechtsextreme instrumentalisieren die Proteste, die NPD veranstaltet regelmäßig Kundgebungen. In der Silvesternacht gab es einen Anschlag mit Böllern, Vor einigen Tagen beschmierten Neonazis die Mauern mit Parolen. Am Samstag gab es eine Solidaritätsdemonstration für die Flüchtlinge. So geht das hin und her.

Die Alice-Salomon-Hochschule geht da ganz eigene Wege – die nämlich hat ihren Lehrbetrieb teilweise in die Flüchtlingsunterkunft verlegt. Wir haben dort vorbei geschaut und berichtet:

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Die gläsernen Eingangstüren der Asylunterkunft Hellersdorf sind provisorisch mit Pappe geflickt und hängen etwas schief in den Angeln. So ohne weiteres kommt man hier aber dennoch nicht rein. Das Gebäude der ehemaligen Schule an der Carola-Neher-Straße wird innen und außen bewacht. Die Studenten der Alice-Salomon-Hochschule zeigen einen speziellen Ausweis bei der Security vor, wenn sie ihre Seminare besuchen. Unterrichtet wird von Montag bis Freitag.

Bei Professorin Nivedita Prasad geht es um Asylverfahren. Knapp 30 Studierende sind gekommen. Dieses Seminar ist natürlich spannend, weil hier Theorie und Praxis zusammenkommen. Die Professorin sagt, sie habe hier acht verschiedene Sprachen. Und die Studierenden machen auch die praktische Arbeit, viele kommen aus privilegierten Haushalten und es geht einfach darum mitzukriegen, dass es auch andere Realitäten gibt in Deutschland. Viele Studierende waren zum Beispiel entsetzt über die Toiletten. Praktische Arbeit bedeutet: Hausaufgabenhilfe für die Kinder in der Unterkunft, Projekte für Jugendliche oder Hilfe bei der Wohnungssuche. Das alles machen die Studenten ehrenamtlich.

Es ist sehr sehr wertvoll, solche Erfahrungen zu machen und mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Jedoch sollen die Studierenden die Bewohner nicht als Untersuchungsobjekt und Lernobjekt zu sehen. Es ist wichtig, das Zuhause der Bewohner zu respektieren. Die Bewohner des Asylheims bringen sich im Gegenzug auch ein. Sie berichten in den Seminaren über die Situation in ihren jeweiligen Ländern. Entweder auf englisch oder mit einer Übersetzung von einem Studierenden. Die Idee zu dem Ganzen hatte die Rektorin der Hochschule, Theda Borde, im letzten Sommer, als es zu den ersten Ausschreitungen kam. Richtig los ging es dann zum Wintersemester im Oktober.

Es reicht nicht, irgendwelche Appelle oder warmen Worte loszulassen, sie wollen hier präsent sein und diesen Raum damit schützen. Es ist ihnen wichtig, dass hier Menschen sind, die den Flüchtlingen das Gefühl geben, dass sie an einem ganz normalen Ort sind. Im Grunde genommen müssten die Flüchtlinge in ganz normalen Wohnungen untergebracht werden, aber es gibt in Berlin nicht genügend Wohnungen.

Die Alice-Salomon-Hochschule liegt zehn Minuten zu Fuß von der Unterkunft entfernt. Ein Ende des Engagements der ASH im Asylbewerberheim Hellersdorf ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Bald gibt es ein spezielles Programm für Frauen und Kinder im Sportraum der Hochschule.

Eine der nächsten Veranstaltungen zu der jeder kommen kann, ist am 29. Januar 2014 – ein Stadtteilspaziergang namens „Spazierblicke“. Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Hochschule.



10.01.2014

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10. Januar 2014

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