Breitbild: Das Kino International wird 50!

In dieser Woche feiert das „Kino International“ an der Karl-Marx-Allee seinen 50.Geburtstag. Eröffnet wurde es am 15. November 1963. In der DDR war es das Premieren-Kino schlecht hin und ist bis heute wegen seines 60er Jahre Charmes beliebt. Das Gebäude steht inzwischen unter Denkmalschutz. Premieren werden dort immer noch jede Menge gefeiert.


Ja, Berlin ist schon stolz auf sein International. Der Senat hat das Kino letztes Jahr sogar – als Teil der ehemaligen Stalinallee – für einen Eintrag in die Welt-Kultur-Erbe-Liste der UNESCO vorgeschlagen.

Bis auf den Verkehr auf der Karl-Marx-Allee ist alles ruhig. Noch. Später am Abend werden hier die Premierengäste auflaufen. Der rote Teppich liegt eingerollt im holzgetäfelten Foyer. Etwas strapaziert sieht er schon aus, aber das ist kein Wunder. Das Lichtspielhaus hat eine steile Karriere als Premierenkino hinter sich. Am Abend läuft der indische Film „Lunchbox“ in der Deutschlandpremiere. Dazu: indisches Essen mit allem drum und dran. Der Film ist Teil des Jubiläumsprogramms. Zusammen gestellt von der Yorck-Gruppe, die das Kino seit 1992 betreibt.

Christian Bräuer sagt, man habe da intern diskutiert. Natürlich ist „Solo Sunny“ dabei. Das ist der erfolgreichste Film im Kino International, den haben allein 100.000 Menschen vor und nach der Wende gesehen. Es sind auch Filme dabei wie „Spur der Steine“, der Film hatte in der DDR Premiere im International und wurde nach drei Tagen zensiert. Und ist auch im International zur Wiederaufführung nach der Wende gekommen. Das gleiche gilt für „Coming Out“, der hatte 1998 am Tag des Mauerfalls Premiere, es ist der erste wirkliche Schwulenfilm der DDR.

Coming Out, lief am Tag, als die Mauer viel, am 9. November 89´. Eröffnet wurde das Kino International 26 Jahr zuvor. Nach einer 2jährigen Bauzeit 1963, mit dem sowjetischen schwarz-Weiß-Film „Optimistische Tragödie“. Damals hieß die Karl-Marx-Allee noch Stalinallee. Den Geist merkt man deutlich an den aufwendigen „Abeiterwohnpalästen“ im Stil des sozialistischen Klassizismus, nicht weit von International. Gebaut wurden diese Hochhäuser nur wenige Jahre zuvor, doch das Kino weicht architektonisch ab. Das International war immer multifunktional gedacht. Es war lange ein Jugendclub, lange eine Bibliothek drin, da gingen aber die Gelder aus und wir nutzten es heute für Premieren, für Messen und Partys.

Große Panoramascheiben zur Straße öffnen den Blick nach draußen, die Seitenfassaden: komplett geschlossen. Die Architektur ist auf ein perfektes Klang- und Sichterlebnis ausgelegt. Der Kinosaal – in den knapp 600 Besucher passen – ist schräg angelegt. Die Tontechnik ähnelt dem eines Tonstudios, wurde speziell für dieses Kino konzipiert. Die Wandverkleidung versetzt angebracht. Die Decke wellenförmig – all das trägt den Klang perfekt in den Raum. Hier wollte die DDR sich und ihre Filmindustrie DEFA präsentieren. Die Partei- und Staatsführung sollte es dabei besonders bequem haben. Die achte Reihe war ihnen vorbehalten: beste Sicht und extra Beinfreiheit. Die Reihe davor war leer, da waren keine Stühle. Als die Yorck das Kino übernommen hat, wurde das demokratisiert, alle haben mehr Beinfreiheit als früher.

Im Keller ging es noch exklusiver zu. Dort gibt es sogar einen Bunker. Falls der Westen doch mal ernst gemacht hätte, wäre die DDR-Spitze dort untergeschlüpft. Zum Einsatz kam der Bunker nie. Heute wird er als Lager genutzt. Für kulinarischen Nachschub.


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13.11.2013

Breitbild

13. November 2013

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