Breitbild: Dokumentarfilm „Alphabet“

Die neuesten Ergebnisse der Pisa Studie sagen: Die Leistungen der Schüler haben sich verbessert, und an den Schulen geht es gerechter zu als noch vor Jahren. Aber es bleibt noch viel zu tun… Ja, was bleibt denn eigentlich genau zu tun, um unsere Kinder noch fitter zu machen für diese ach so leistungsorientierte Gesellschaft?

Pisa-Time! In den Kinos läuft derzeit ein Dokumentarfilm, der nicht nur an den bisherigen Bildungssystemen kratzt, sondern auch hinterfragt, warum wir unsere Kinder zwar mit Wissen vollstopfen, ihnen aber keine Werte mehr vermitteln oder vorleben.


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Erwin Wagenhöfer rechnet ab, und nicht zum erste Mal: In „We feed the world“ zeigt er 2005 die haarsträubenden Zustände in der Nahrungsmittelindustrie. In „Let’s make money“ deckt er drei Jahre später den Irrsinn der Geldwirtschaft auf. Für seine neue Dokumentation „Alphabet“ hat er sich das Thema Bildung vorgenommen. Ausgehend von der These: 98% aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%. Irgendetwas muss dazwischen gehörig schief laufen.

Im Film wird der Erfinder der Pisa Studie, Andreas Schleicher, bei einer Inspektionsreise nach China begleitet. Dort schneiden die Schüler bei den Tests regelmäßig am besten ab – kein Wunder: die Schule dauert von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Danach Hausaufgaben bis Mitternacht. Samstag und Sonntag Nachhilfe-Unterricht. Chinas Kinder zahlen jedoch einen hohen Preis: Suizid ist die häufigste Todesursache unter Schülern.

Von Klein auf immer an die Zukunft denken. Ja keine Zeit verlieren. Wagenhöfer zeigt in Alphabet: Je mehr wir an ein unendliches Wachstum glauben, desto mehr erziehen wir unsere Kinder zu konformen Wissensfressern, die darüber verlernen, selbst nachzudenken. Wie – und vor allem: Wann auch? Im Film werden Beispiele gezeigt, wie es auch anders geht. Arno Stern ist Pädagoge und Bildungsforscher. Sein Sohn André hat nie eine Schule besucht. Trotzdem spricht er 5 Sprachen, komponiert, arbeitet als Gitarrenbauer und Informatiker.

Antworten bleibt „Alphabet“ jedoch weitestgehend schuldig, aber der Film wirft jede Menge unangenehme Fragen auf – vor allem eine: Wie können wir das eigentlich alles unseren eigenen Kindern antun? Sie werden uns dafür büßen lassen – früher oder später…


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Autorin: Zarah-Louise Roth



04.12.2013

Breitbild

4. Dezember 2013

2 Kommentare zu “Breitbild: Dokumentarfilm „Alphabet“”

  1. Zarah

    12. Dezember 2013 um 18.37 Uhr

    Liebe/r Näkläs!
    Die These mit den 2 % sehe ich als eine Art thematischen Untertitel der Dokumentation. Davon geht Wagenhofer aus. Nur im Trailer zum Film steht sie chronologisch am Anfang, wie du richtig bemerkst.
    Zum Thema „Individuum versus Gesellschaft“: Du schreibst „Wer nur auf Freiheit (..) achtet (..)“. Wagenhofer beschreibt als Ist-Zustand das andere Extrem, das „Nie“.
    Wahrscheinlich ist so wie fast immer: Die Wahrheit liegt dazwischen und ist komplizierter, als es ein Dokumentarfilm geschweige denn ein Radiobeitrag über einen Dokumentarfilm es abzubilden vermag.
    Danke für deine kritische Anmerkung!
    Zarah

  2. Näkläs

    06. Dezember 2013 um 13.07 Uhr

    Hat die Kommentatorin diesen Film wirklich gesehen oder nur den Trailer verkommentiert?

    Der Dokumentarfilm greift natürlich grobe gesellschaftliche Fehlentwicklungen (vor allem in China) auf. Die „Eingangsthese“, die erst zur Mitte des Films auftaucht mit den 98% hochbegabten Kindern und den 2% nach dem System Schule… Also bitte, dem fehlt jede wissenschaftliche Grundlage, es wird nicht einmal der Versuch gemacht, die Argumente logisch erscheinen zu lassen. Dass unser Schulsystem viel besser sein könnte, daran lasse ich keinen Zweifel.
    Bei soviel Selbstverwirklichungsdramatik, die dieser Film darstellt, wurde aber eine Komponente völlig asser Acht gelassen. Schulbildung ist einer der sozialen Faktoren, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Irgendjemand, der seine Kinder zu Hause „unterrichtet“ oder sie auf Privatschulen schickt, soll mir noch einmal etwas von Chancengleichheit erzählen.
    Wer nur auf die Freiheit und perfekte Entfaltung des Individuums achtet, der achtet auf 5% der Gesellschaft und darf getrost FDP wählen.
    Danke.