MafiaLeaks

Der Schweigekodex ist in der Mafia heilig – jetzt gibt es eine neue Internetplattform, die genau diesen Kodex durchbrechen will: Mafia Leaks. Die Idee: anonym Informationen weitergeben – und hoffentlich nicht mehr das eigene Leben riskieren. Hinter der Plattform steht eine Handvoll Italiener, die selbst natürlich auch anonym bleibt, sich aber nicht länger von der Mafia terrorisieren lassen will. Die Betreiber wollen die Absender der Informationen gar nicht kennen – sondern eine Brücke bilden zu Behörden und Medien.

Innerhalb der Mafia gelten eigene Gesetze, sagt Spiegel Redakteur Andreas Ulrich: essentiell seien Gehorsam und Treue seinen Bossen gegenüber. Und natürlich Omertà:
„Das Schweigegelübde Omertà muss jeder Mafiosi schwören, wenn er aufgenommen wird. Auf Verrat steht der Tod. Und das glaub ich, kann man wörtlich nehmen.“

Auch Opfer und Zeugen, die es wagen zu sprechen, werden eingeschüchtert – oft mit brutaler Gewalt.

Die Plattform MafiaLeaks fährt jetzt das Gegenprogramm zum Schweigekodex Omertà und fordert Betroffene zum Reden auf. Ob Clanmitglied, Opfer der Mafia oder einfach nur normaler Bürger, der etwas Verdächtiges beobachtet hat – jeder kann seine Hinweise bei MafiaLeaks hinterlassen.

Das kann aus Rache, aus Verzweiflung oder aufgrund anderer Kenntnisse. Aber da Verrat bei der Mafia ein besonders schlimmes Delikt ist, bietet es die Möglichkeit, anonym etwas auszusagen.

Post, Telefon, Email – bislang war das Risiko, dass Informanten enttarnt wurden, hoch. Das Verschlüsselungs-Netzwerk-Tor soll Anonymität garantieren.

Andreas Ulrich hat auch Bedenken: „Auf der anderen Seite wird das natürlich auch einer ganze Reihe von Denunziatoren Tür und Tor öffnen, da wird man Ende entscheiden müssen, ob das, was an Infos rein kommt zu bewältigen ist. Und man muss jede Information erstmal bewerten – aber im Kern denke ich, ist das ein möglicher Weg, die Mafia zu bekämpfen.

MafiaLeaks hofft auch auf Post aus Deutschland. Immobilien, Geldwäsche, Drogenhandel – die Mafia ist auch hierzulande präsent, so Ulrich. Auch wenn ihr Einfluss nicht bis in die Politik reicht, wie in Italien, das Schweigegelübde wird auch hier sehr ernst genommen. Italienisch-Kenntnisse sind allerdings Grundvoraussetzung will man sich mit MafiaLeaks in Verbindung setzen – die Macher sprechen nur Italienisch.

Informationen sind bereits eingegangen heißt es aus Kreisen der MafiaLeaks-Gruppe. Für den Erfolg der Plattform ist nun entscheidend, bekannt zu werden und welche Qualität die online gestellten Beiträge haben. Erst dann wird man sehen, was MafiaLeaks wirklich zu leisten vermag…



13.11.2013

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