Rückruf: BIG-Partei

Die BIG-Partei tritt laut eigenem Bekunden eigentlich in ein paar Wochen in Berlin an, um „den Veränderungen unserer multikulturellen Gesellschaft durch innovative und realpolitische Lösungen gerecht zu werden“. Aufklärung über alternative Partnerschaftsformen hat nach Ansicht der BIG-Partei offenbar aber nichts in einer Multikultigesellschaft verloren – denn aktuell hetzt die Partei per deutsch- und türkischsprachigen Flugblättern gegen schulische Aufklärung über Homosexualität.

Jan Mölleken hat die BIG-Partei mal zurückgerufen:

Liebe BIG-Partei „Alle Kinder schützen“ steht auf Ihrem Flyer, wo Sie von einem neuen Grundschulfach in Berlin mit dem griffigen Namen „Schwul“ fabulieren. Das, so delirieren Sie weiter, will die Rot-Rote Regierung in Berlin an allen Grundschulen einführen. Auch mit Details aus dem fiktiven Lehrplan warten Sie auf: So sollen sich die Erstklässler künftig neben Deutsch und Mathe auch in „Schwul“ bilden und gegenseitig Begriffe wie „Selbstbefriedigung“ oder „Darkroom“ erklären. Pantomimisch und per Rollenspiel versteht sich – die kleinen können ja noch nicht lesen oder schreiben.

Faktisch ist das zwar Schwachsinn, aber mit derlei inhaltlichen Details sollen sich ernsthafte Politiker mit ernsthaften Wahlaussichten auseinandersetzen, Sie kopieren auf ihrem Flugblatt lieber Sätze aus einem tiefgründigen B.Z.-Artikel. So weit, so stumpf – verwirrt hat uns aber Ihr restliches Wahlprogramm. Warum faseln Sie dort von Multikulti-Chancengleichheit, Gleichbehandlung und Anerkennung in allen Lebensbereichen – haben wir beim Überfliegen die Fußnote „außer Schwule und andere Perverse“ übersehen? Nein, jetzt werden wir wirklich ungerecht – Sie tolerieren laut eigener Aussage ja jedes Lebewesen und haben ja so gar nichts gegen andere Partnerschaftsmodelle – solange ihren Kindern nur niemand glaubhaft erklärt, dass man vor derlei Sittenverfall keine Angst haben muss.

Glücklicherweise ist Berlin eine weltoffene und tolerante Stadt und Sie, liebe BIG-Partei, sind so gar nicht big sondern vermutlich auch bei dieser Wahl nur ein Fliegenschiss auf dem Diagramm des Berliner Wahlleiters. Ärgerlich ist nur, dass Sie, die Sie ja glauben für die Berliner mit Migrationshintergrund zu sprechen, all diese mit Ihrer gestrigen Haltung als ebenso gestrige diskreditieren. Damit spielen Sie allenfalls populistischen Springteufeln à la Sarrazin in die Hand, wählen tut sie hoffentlich trotzdem keiner. Insofern lassen Sie doch das mit der Politik und werden Sie mit ihren Mitgliedern Statisten in Onkel Sarrazins fiebriger Paralellgesellschaft. Damit wäre doch dann allen geholfen.

Autor: Jan Mölleken

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23.08.2011

5 Kommentare zu “Rückruf: BIG-Partei”

  1. Berlin: 4,5 % für rechte Parteien | Rockbär.de | Sebastian Pertsch

    19. September 2011 um 08.16 Uhr

    […] Die Freiheit und die Deutsche Konservative Partei zum rechten Spektrum (die BIG-Partei, die mit homophoben Äußerungen in die Kritik geriet, nicht hinzugerechnet).In absoluten Zahlen ausgedrückt, haben laut […]

  2. Schlaubi

    02. September 2011 um 23.22 Uhr

    Ich bin froh, dass es die Partei gibt!
    Das sind alles Deutsche einer deutschen Partei.
    Es ist ein wahres Armutszeugnis für Deutschland,
    dass man wegen dem Erscheinungsbild als
    „Inländer“ oder auch nicht betrachtet wird.

    Genau genommen werden heute noch unsere
    deutschen Mitbürger mit ausländischem Wurzeln
    (selbst in der 2. oder 3. Generation) als Migranten
    bezeichnet. Das entspricht nicht der Realität.
    >>Nirgends auf der Welt< Da wäre man blöd, keine Partei zu gründen!

  3. Jan Moelleken

    28. August 2011 um 09.27 Uhr

    Hallo Georg, danke für das Feedback. Die Einführung eines Schulfachs mit Namen „Schwul“ ist natürlich Quatsch und eine Boulevard-Erfindung der B.Z., das hat der Bildungssenat nirgendwo beschlossen oder geplant. Es geht um die Einbindung dieser Inhalte in den Unterricht. Ebenfalls sachlich falsch ist, dass Kinder ab der ersten Klasse Begriffe wie „zu früh kommen“, „Selbstbefriedigung“ oder „Darkroom“ per Pantomime oder Rollenspiel lernen sollen. Diese Inhalte, wenn sie überhaupt zum Tragen kommen, sind für Kinder ab frühestens der fünften, bis zur zehnten Klasse vorgesehen. Und das macht in der Rezeption schon einen entscheidenden Unterschied. Das hat die BIG Partei entweder falsch verstanden – was die Schlussfolgerung eines eingeschränkten kognitiven Horizonts nahelegte – oder, und das halte ich für die wahrscheinlichere Variante: man hat es eben bewusst missverstanden und auf den Flugblättern weiter angespitzt um die Ängste der Menschen vor diesen Themen und vor einer Überforderung ihrer Kinder zu adressieren. Und solch billiger Populismus gehört abgewatscht. Mit Besten Grüßen: Jan Mölleken

  4. Georg

    27. August 2011 um 18.15 Uhr

    Dieser Artikel ist faktisch falsch.
    Der Berliner Bildungssenat hat ein 172 Seiten langes Skript veröffentlicht und alle Aussagen auf dem Flyer stammen aus diesem unsittenhaften Skript. Die BIG Partei ist nicht gegen Homosexuelle sondern gegen Pflichtveranstaltungen, die einem Klienkind mit 6 Jahren nichts bringen ausser Unmoral. Unsere Gesellschaft hat Moral und Ethik verloren. Der Werteverfall ist nicht zu übersehen.

  5. Paul aus Neukölln

    24. August 2011 um 16.06 Uhr

    Danke