Rückruf Bundestag

Wir können’s nicht genau datieren, seit wann genau das Wort „absurd“ in Bezug auf reale Ereignisse eine Renaissance erlebt. Man denke mal aktuell an den Komplott, der in den USA aufgedeckt wurde. Nicht minder absurd ist allerdings das, was sich diese Woche vom Deutschen Bundestag aus abgespielt hat. Zur Veranstaltung „Menschen mit Behinderungen im Deutschen Bundestag“ am 2. und 3. Dezember 2011 sollte der Dialog mit den Politikern zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention stehen. Dafür hatte man 300 Menschen mit Behinderungen im Mai dieses Jahres eingeladen. Und sie jetzt – Schwups – wieder ausgelanden. Mit der Begründung: Es seien zu viele Rollstuhlfahrer dabei – dies gefährde die Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen. Zeit für einen Rückruf…

Hallo Bundestag!

Geladen hatten Sie, lieber Bundestag, zu einer Veranstaltung im Dezember – zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung. Den Dialog wollten sie suchen. Ziel laut Einladungsschreiben war es,  „ein gemeinsames Signal für die Bereitschaft zur Inklusion und zur Überwindung von Barrieren in allen Lebensbereichen auszusenden“. Na das ist doch was. Um die 300 Menschen mit Behinderung wurden eingeladen – im Mai schon. Denn wer früh plant, der plant gut.

Und hier nimmt die Geschichte eine entscheidende Wendung, denn in dieser Woche wurden eben diese Menschen mit Behinderung kurzerhand wieder ausgeladen, weil sich – SUPRISE SURPRISE – über 100 Rollstuhlfahrer und -fahrerinnen darunter befanden, die wiederum  in dieser Zahl die Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen verletzten würden.

Tja, wer zur Hölle rechnet denn auch mit sowas? Da lädt man zu einer Veranstaltung für Menschen mit Behinderung, und dann kommen die auch noch! Und bringen ganz spontan auch noch ihre Behinderung gleich mit.

Sagen sie: Wie handhaben Sie das eigentlich mit Herrn Schäuble? Hängt gar ein Schild am Eingang vom Bundestag: Bei Betreten bitte Behinderung an der Garderobe abgeben? Und hängt gar an der Garderobe ein Schild: Bitte, achten sie auf ihre Behinderung! Bei Verlust ihrer Behinderung wird keine Haftung übernommen? Wir können nur raten. Und rätseln.

Aber: schön, dass Sie bereits einen Ausweichtermin gefunden haben. Und auch schon im Oktober – 2012 versteht sich. Dann soll die Veranstaltung nachgeholt werden. Nicht im Bundestag, sondern irgendwo anders, heißt es. Versprochen. Ein Jahr muss also die Überwindung von Barrieren wohl noch warten, aber hey – Früh geplant ist gut geplant, …das wissen wir ja jetzt.

Hier der Beitrag zum Anhören:

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Autoren: Heiko Reusch & Sebastian Mösch



14.10.2011

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