Rückruf – Schwabenhass

Ende letzter Woche meldete die Berliner Polizei freudig, dass sie einen Brandstifter festgenommen hat, der in Prenzlauer Berg seit Mitte Juli 11 Kinderwagen angezündet hat! So weit so gut. Damit hat die Feuerteufel-Serie in Prenzlauer Berg allerdings nicht aufgehört. Ein anderer, oder mehrere,  zündeln leider weiter. Spannend ist aber, was der Festgenommene als Begründung für seine Taten genannt hat: Schwabenhass!

Und da mussten wir uns tatsächlich ein bisschen aufregen. Und deswegen haben wir – oder vielmehr Miki Sic – Maik D.  angerufen und ihm auf die Mailbox gesprochen!

„Hallo Maik mit “ ai“  – hier ist FluxFM.

Sag mal, geht’s denn eigentlich noch? Kinderwagen anzünden, weil Du ein Problem mit Schwaben hast? Nee, sorry, das geht so was von zu weit. Mal ganz abgesehen davon, dass dieser „Schwabenhass“ eine selten blöde Erfindung ist, wen meinst Du eigentlich, wenn Du von Schwaben sprichst? Tatsächlich Menschen, die aus Baden Württemberg kommen oder doch einfach alle, die vielleicht aus dem Süden Deutschlands kommen? Oder auch einfach nur aus der ehemaligen BRD?

Wir denken, dass es Dir, wie vielen anderen, um das Thema Gentrifizierung geht. Also darum, dass reiche Zugezogene – von überall her – Alteingesessene aus ihren Kiezen vertreiben, die Mieten in die Höhe treiben, Subkulturen auslöschen. Dagegen zu sein ist völlig in Ordnung, sehen wir genau so. Wir sind auch dafür das der Schokoladen bleibt, wir wollen auch das das RAW Gelände ein kultureller Treffpunkt bleibt, oder sind froh, dass das Icon seinen Betrieb doch nicht einstellen musste.

Aber das Problem der Gentrifizierung durch brennende Kinderwagen lösen???

Auch wenn Du vielleicht tatsächlich Kinderwagen von Schwaben angezündet hast – haste doch, oder? Nicht das arme Berliner Familien den Schaden zu tragen haben – glauben wir nicht, dass das die Politik dazu bringen wird, vielleicht ein bisschen mehr darauf zu achten, was mit den Immobilien dieser Stadt passiert. Denn darum müsste es doch eigentlich gehen – das endlich jemand anfängt die einmaligen Subkultur-Spots dieser Stadt zu schützen und sich der Mietentwicklung annimmt, sich für die Mieter einsetzt.

Aber, das wirst Du mit Deinen Aktionen nicht erreichen.
Vielmehr hast Du nur dafür gesorgt, dass neue Kinderwagen-Anzünder nachkommen, die jetzt Deinen Job übernehmen, weil Du ja nicht mehr kannst.

Wer weiß, was deren Beweggründe sind – vielleicht auch Schwabenhass, vielleicht Langeweile, vielleicht ein verletztes Ego. Oder vielleicht wurden sie – genau, wie Du – als Kind nicht oft genug geknuddelt – im Kinderwagen.“

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Hier der Beitrag zum Nachhören:

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Autor: Miki Sic



29.08.2011

4 Kommentare zu “Rückruf – Schwabenhass”

  1. Heiko Jörges

    05. Oktober 2011 um 18.28 Uhr

    ich bezweifle dass irgendwelche veirrten Leute aus der Hausbesetzerszene sone Plakate kleben. Sowas kostet doch ne Menge Geld oder der Betreffende verfügt über die dafür erforderlichen Gerätschaften – ne Druckerei in Kiez oder Umgebung vielleicht die von nem Alt-Stasi geführt wird? Gentrifizierung ist in reinform nicht begrüßenswert. Aber was bitte war denn im Prenzlauer Berg der DDR so toll? Die Leute die heute mit ihren Sprüchen an der Wand von den alten Zeiten träumen wären rucki-zucki in Bauzen eingefahren. Und was wäre die Alternative zu den vielen kleinen Läden, die übrigens ganz oft von Ostberlinern betrieben weden (Ostberliner waren übrigens in der DDR nicht sonderlich beliebt, das weiß ich von meinen Verwandten aus Thürigen!). Ketten wie in der Wilmersdorfer, 1€-Ramschläden wie in Helle Mitte. Wem´s gefällt! Als Kurpfälzer der 8 Jahre problemlos in Steglitz gewohnt hat und jetzt problemlos neben dem Prenzlauer Berg wohnt (ich zahl die dortigen überhöhten Mieten nicht) muss ich noch was anmerken: viele Investoren-Firmen sitzen in Berlin und werden von Berlinern aus Ost und West geleitet. Und: meine Vorfahren haben schon in den 30ern in Berlin gelebt und gearbeitet. Viele der angeblichen Ureinwohner-Familien waren zu diesem Zeitpunk keine Berliner, sondern Masuren, Schlesier, Galizier. Ihr seid also auch keine echten Berliner!

  2. todo

    14. September 2011 um 13.48 Uhr

    wohin dieser ganze innderdeutsche Rassismus und Schwabenhass führen kann – ein zugegeben etwas derbes Szenario: http://socialmedia.kkandk.de/2011/07/14/befreiung-vom-stadtfeind-nummer-eins-eine-zukunftsvision/

  3. Anton Roßbach

    30. August 2011 um 11.21 Uhr

    In einer kriminellen Nachbarschaft werden die Mieten schon sinken – aber wer soll dann da wohnen??
    Dabei kommt eine mögliche Lösung sogar aus dem Ländle. In Ulm wird z.B. Investoren vorgeschrieben, dass sie einen gewissen Prozentsatz – sagen wir 20% – der vermietbaren Fläche als sozialen Wohnungsbau ausführen müssen. Keine 100% und keine 0%!
    Die Investoren verdienen auch so mehr als ordentlich. Und die „Putzfrau“ etc. muss nicht mehr durch die ganze Stadt fahren – CO2-Ersparnis:-)
    Meine Miete in Ulm war außerdem ca. 30% günstiger als in Berlin – und dass in einer viel chiqueren Wohnung. Man bedenke, dass dort die Gehälter doppelt so hoch sind wie hier!!
    Bin trotzdem ins dicke B zurückjekommen;-)

    Anton

  4. oöuih

    27. August 2011 um 19.41 Uhr

    toll. habt ihr lange weile?