Was wurde aus: Eddie the Eagle

Eddie The Eagle

Der Adler fliegt wieder. Eddie the Eagle – der einzige und berühmteste britische Skispringer kehrt auf die Schanze zurück, und zwar beim Neujahrsspringen am 1. Januar in Garmisch-Partenkirchen. Der Mann wird bald 50 – klar, dass er nicht im Wettbewerb antritt, sondern als Vorspringer. Seine Weiten werden wohl kaum schlechter sein, als damals bei Olympia in Calgary. Anke Müller über einen Letzten, der der Erste wurde:

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Eddie the Eagle – im wahren Leben eigentlich Michael Edwards – hatte alles, was man zum Loser-Dasein braucht: Einen vorstehenden Unterkiefer, aschenbecherdicke Brillengläser und mindestens zehn Kilo mehr als alle anderen Skispringer bei Olympia 1988 in Kanada. Aber erinnert sich noch jemand an die drei Erstplazierten: Matti Nykänen, Erik Johnsen oder Matjaž Debelak? Die rote Laterne hatte Eddie the Eagle.

Seine wackeligen Sprünge sind ein Schock für die Verantwortlichen – und entflammen die Herzen der Fans. Schon seine Ankunft bei den Olympischen Spielen ist Slapstick. Eddie kommt 24jährig in Calgary mit geplatztem Koffer an. Thermounterwäsche und bunte Satinschlüpfer fahren auf dem Kofferband Karussell. Er versucht seine sieben Sachen einzusammeln, verliert seine Brille, die daumendicken Gläser zerbrechen und zu allem Unglück platzt ihm auch noch die Hosennaht. Dieser Mann wird in wenigen Tagen ein Superstar sein, denn er wird Englands erster Skispringer.

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Er hat kein Geld, keinen Schnee und keinen Trainer, aber er hat einen Traum. Nur fünf Monate vor den Olympischen Spielen springt er zum ersten Mal von einer 120-Meter-Schanze. Dann geht es zu den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf. 73,5 Meter seine Weite: Platz 58 von 58 Teilnehmer, aber es ist britischer Rekord und seine Fahrkarte nach Calgary. Jeder Sprung kann sein letzter sein, dessen ist er sich bewusst.

Aber seine Chuzpe zahlt ich aus. Eddie ist sowas wie das unbestellte Maskottchen der Spiele. Es heißt, selbst der damalige US-Präsident Reagan habe extra ein wichtiges Meeting unterbrochen, um seinen Sprung zu sehen.

Für sein Bankkonto hat der Ausflug nach Kanada zunächst gereicht. Michael Edwards kam als Eddie the Superstar Eagle nach Großbritannien zurück. Er nimmt einen Song auf, der sich natürlich wie geschnitten Brot verkauft.

Doch irgendwann ist auch der schönste Traum ausgeträumt. Sein Vermögen wird Anfang der 90er Jahre von Verwandten veruntreut und seine Frau stirbt. Er muss sich als von der Pleite bedrohter alleinerziehender Vater von vier Töchtern und einem Sohn durchschlagen und packt es. Inzwischen lässt er sich für Gastauftritte bei Wintersport-Events bezahlen, er arbeitet als Skilehrer und wie ganz früher auch als Maurer. Erkennen würde man ihn nicht mehr, seine Zähne sind gerichtet und die Augen gelasert, aber eleganter springen, kann er immer noch nicht.



06.12.2013

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