4 der 5 Bücher für unser Afrika-Spezial (Foto: Sophie Euler)

Afrika Spezial | Lesen und lesen lassen

▷ Letzte Änderung: 2019-04-01
By Constanze [FluxFM] |
Im Radio:
1. bis 7. April 2019

Vom 4. bis zum 7. April 2019 findet in Berlin zum zweiten Mal das African Book Festival statt. In einem einwöchigen Afrika-Spezial stellt Buchexperte Jörg Petzold Werke vor, deren Autor*innen aus verschiedenen Ländern Afrikas kommen und die die Geschichte und Gegenwart von Land und Leuten auf wundervolle, spannende, traurige oder aber witzige Weise umschreiben.


Felwine Sarr – Afrotopia

Der „Dunkle Kontinent“ oder „Rohstofflager der Welt“. Wenn es um den afrikanischen Kontinent geht, sind Stereotype oft nicht weit. Gleichzeitig gilt das Modell des Westens als Maßstab aller Dinge. Mit seinem Manifest fordert Felwine Sarr eine neue Sicht auf Afrika und eine Rückbesinnung auf die reichhaltigen Ressourcen des Kontinents.

Fazit von Jörg Petzold:
„Afrika ist ein Kontinent der Katastrophen, des Elends und des Scheiterns? Auf gar keinen Fall! Analytisch und poetisch auf überzeugendste Art und Weise wird hier die Vielfalt, die Tiefe, das Potenzial Afrikas gefeiert und die klischierte nordwestliche Perspektive zurückgewiesen.
Nicht nur wichtig für Afrika-Interessierte, sondern auch für alle, die durch afrikanische Augen auf Europa und den Westen schauen wollen, um nach Alternativen für uns zu suchen.
Dieses Buch ist der Aufhänger und intellektuelle Rahmen für unsere Sammlung großartiger Romane afrikanischer Autor*innen diese Woche – und eben diese ganze Woche ein Vorgeschmack auf das fantastisch besetzte African Book Festival, das vom 4.-7.4. in Berlin stattfindet. Schaut unbedingt vorbei!“

 

Afrotopia von Felwine Sarr ist erschienen bei Matthes und Seitz.


Zakes Mda – Der Walrufer

Seit Jahren lebt der Walrufer als Eigenbrödler fernab des Großstadttrubels. Wenn er seine Melodie anstimmt, kann er die Wale draußen im Meer zu sich rufen. Doch dann taucht Saluni auf und stellt sein Leben auf den Kopf.

Fazit von Jörg Petzold:
„Es ist eine Art magisch-realistischer Heimatroman, er ist bereits 2006 erschienen. Er beschreibt die Landschaften unweit von Kapstadt, die Mentalität der Leute und ihr Leben.
Interessant: Hautfarbe wird nicht ein einziges Mal erwähnt.
Man könnte politisches in die Geschichte hineinlesen, aber eigentlich geht es um den kraftvollen Gesang der Natur und der Menschen. Mir hat das sehr gut gefallen!“

 

Der Walrufer von Zakes Mda ist erschienen im Unionsverlag


Christopher Mlalazi – Wegrennen mit Mutter

Simbabwe 1980, kurz nach der Unabhängigkeit. Mugabe ist frisch gewählter Präsident und die Welt klatscht ihm Beifall. Was kaum jemand wahrhaben will: Mugabe jagt mit einer Spezialeinheit sogenannte Dissidenten. So kommt es, dass die 14-jährige Rudo mit ihrer Familie quer durchs Land fliehen muss.

Fazit von Jörg Petzold:
„In einer ganz ruhigen und einfachen Sprache – aus Sicht einer 14-jährigen Ich-Erzählerin – schildert Mlalazi die furchtbaren Vorgänge im Jahre 1982 in Simbabwe unter Mugabe. Diese kindliche Sicht ermöglicht ihm eine ganz naive und umso emotionalere Beschreibung, ohne intellektuelle Analysen. Es geht ihm ausdrücklich um die Befindlichkeiten der Menschen in solchen Auseinandersetzungen.
Sehr beeindruckend und auch sehr traurig.“

 


Sefi Atta – Nur ein Teil von dir

Deola lebt mit 39 in London, hat einen guten Job und viele Freunde. Eine Dienstreise führt sie in ihre Heimat Nigeria. Konfrontiert mit familiären Erwartungen, alten Freundschaften und einer neue Liebe fällt sie eine Entscheidung, die ihre Leben in neuen Bahnen lenkt.

Fazit von Jörg Petzold:
„Ganz und gar nicht exotisch, dafür humorvoll und kritisch in alle Richtungen erzählt dieser Roman von der Lebenswirklichkeit bestens ausgebildeter, global agierender und auch zerrissener afrikanischer Protagonistinnen.
Eine große Entdeckung für mich, weil mich Attas Genauigkeit, ihre Weltgewandtheit, ihr Stil und ihr Humor in den Bann gezogen haben. Davon möchte ich wirklich gern mehr lesen!“

 


Hemley Boum – Gesang für die Verlorenen

Männer und Frauen, Liebe und Widerstand. Ende der 50er Jahre ist die Kolonialherrschaft in Kamerun Geschichte, der Unabhängigkeitskampf jedoch noch lange nicht ausgefochten. In einer Familiensaga verfolgt der Roman über fünf Generationen das Streben nach Glück und Freiheit.

Fazit von Jörg Petzold:
Am ersten Aprilwochenende steigt in Berlin zum zweiten Mal das Festival für afrikanische Literatur und die wunderbaren Veranstalterinnen von InterKontinetal haben mich mit diesem Buch versorgt. Ich bin seit ein paar Jahren schon großer Fan der vielen großartigen Bücher, die aus Afrika oder von Schriftsteller*innen aus der Diaspora zu uns kommen. „Gesang für die Verlorenen“ gehört dazu.
Hemley Boum schreibt so warm über Männer und Frauen trotz der sie umgebenden Gewalt und Katastrophen, sie setzt so klug afrikanische und europäische Perspektiven neben- und gegeneinander. Das Buch hat mich zu Tränen gerührt und gar nicht mehr losgelassen! Ich kann also nur betonen: Geht am ersten Aprilwochenende zum African Book Festival in Berlin und kauft dieses Buch!

 

Gesang für die Verlorenen von Hemley Boum gibt es zum Beispiel bei InterKontinental, dem Buchladen für afrikanische Literatur in der Sonntagstraße 26 in Friedrichshain.

 

:infoboxjoerg:
:infoboxaysche:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.