Alltag in der Berliner U-Bahn (Foto: Sophie Euler)
Alltag in der Berliner U-Bahn (Foto: Sophie Euler)

Disco in der U-Bahn | Trend

▷ Letzte Änderung: 2016-04-29
By Nina [FluxFM] |

Drei MusikerInnen aus drei Ländern treffen sich zufällig in der Frankfurter S-Bahn und jammen. Wenige Tage später haben 40 Millionen Menschen aus aller Welt ihr Video auf Youtube gesehen – vermutlich seid ihr einer oder eine von diesen 40 Millionen. Falls nicht: Es geht um die Musikerinnen Anna Guder alias Kiddo Kat und Heidi Joubert, die sich zufällig auf der Frankfurter Musikmesse kennenlernten und in der S-Bahn nur den Tag mit „ein bisschen Mucke machen“ ausklingen lassen wollten. Dann stimmte ein anderer Mitfahrer einfach mit ein, jemand hielt mit dem Handy drauf – und der Rest ist ein weiteres Kapitel in der Geschichte viraler Youtube-Videos. Aber, Vorsicht! FluxFM-Reporterin Steffi Groth ist so, als würde sich da was an(U)bahnen….


Du brauchst… einen Fahrschein!

Vergesst Pubcrawl und Clubbing. Schnappt euch ein Wegbier, eine handvoll Leute und steuert die nächste U-bahn an. Da kriegt man noch so richtig was geboten, ob man will oder nicht. Zum Beispiel in der Ringbahn letztens. Tür geht auf, Tür geht zu – großer drahtiger Typ springt noch rein. Er wirft seine Sporttasche in die Ecke, reißt sich hektisch die Jacke vom Leib und bittet umstehende Fahrgäste ein bisschen Platz zu machen.

Als er dann auch noch schwarze Lederhandschuhe aus der Tasche holt und sich überstreift, werfen sich doch alle kurz panische Blicke zu und fragen sich, ob das jetzt DER Moment ist, wo man besser die Notbremse zieht?! Doch dann: Entwarnung.

Hände hoch für Stefan! So heißt der junge Mann. Um genau zu sein, Stefan Berlin Dancer. Mit Hüftschwung und Rhythmusgefühl trippelt er durch die Ringbahn, flotte Drehung links, bisschen Breakdancemoves rechts. Anlauf und dann Sprung an die silberne Haltestange, die unter Stefan schwungvoll zur Gogo-Tanzstange umfunktioniert wird. Er will die Leute ermutigen, einfach mal einen halben Meter aus ihrer Komfortzone zu treten.

Stefan, der Berlin Dancer. Da liegt definitiv Leidenschaft in der Luft. Fehlt nur noch, dass jemand spontan mit einsteigt. So wie neulich in Frankfurt:

Anna aus Hamburg und Heidi aus London lernen sich auf der Musikmesse kennen und jammen in der S-Bahn in den Feierabend, als sich spontan ein anderer Fahrgast in ihr Prince-Cover einklinkt. Der Typ ist nicht irgendein Fahrgast, sondern Ozzy Lino, ein Sänger aus Malta. Das Video von ihrer Session haben mittlerweile mehr als 40 Millionen Menschen gesehen. Das hat Folgen: Die Drei rennen mittlerweile von einem Interview zum anderen und wollen den Wink des Schicksals nicht einfach vorbeirauschen lassen und planen bereits an einer gemeinsamen Tour.

Castingshows und Band-Scouts waren gestern – Reclaim your U-Bahn ist heute! In Berlin ist das fast schon retro. Bereits 2007 riefen die Trendsetter von K.I.Z. zum illegalen Konzert am U-Bahnhof Schlesisches Tor auf. Dort luden sie dazu ein, gemeinsam U-Bahnwaggons zu besteigen, um sich kollektiv die Kleider vom Leib zu reißen, zu tanzen, zu schwitzen und den öffentlichen Raum nicht nur den Überwachungskameras zu überlassen.

Die Polizei machte einen Strich durch die Rechnung und räumte den Spaß. Aber wer weiß – 2016 könnte die Trendwende kommen für die Disco in der U-Bahn! Denn mehr underground geht nicht.

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