Gregor Gysi mit Nadine Kreutzer bei seinem letzten FluxFM-Besuch 2013. Damals wollte er mit ihr Schnitzel essen gehen. Diesmal hat er Katia Berg am Telefon versprochen, ihr das Spiegelei-Braten beizubringen. Mal sehen, was er davon schafft - jetzt wo er mehr Zeit hat (Foto: FluxFM)

Gregor Gysi im FluxFM-Interview: „Die Westdeutschen hätten ein Vereinigungserlebnis haben können.“

▷ Letzte Änderung: 2015-10-03
By Raoul [FluxFM] |

3. Oktober 2015: Ein Vierteljahrhundert Deutsche Einheit!

Einer, der die letzten 25 Jahre in Deutschland politisch entscheidend mitgestaltet hat, ist Gregor Gysi. Mit Kompetenz, Leidenschaft und Humor – und auch nicht ohne Kontroversen – sorgte er unter anderem dafür, dass sich in Deutschland eine gesamtdeutsche Linkspartei etablieren konnte. Fast zeitgleich zum 25jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung will er den Fraktionsvorsitz der Linkspartei aufgeben und politisch kürzer treten.

Worauf ist er stolz? Was hätte besser laufen können? Womit wird er sich demnächst die Zeit vertreiben? Katia Berg und Heiko Reusch haben mit Gregor Gysi telefoniert:




Auszüge aus dem Interview


Heiko: Wenn Sie zurückblicken – was ärgert Sie?

Mich ärgert, dass man sich den Osten nicht angesehen hat. Wissen Sie, das war deshalb verheerend, weil man bestimmte Dinge doch hätte übernehmen können. Vieles musste abgeschafft werden – ist doch klar – aber die Berufsausbildung mit Abitur, oder die Polykliniken oder das flächendeckende Netz an Kindertagesstätten, wenn man das per 3.10.1990 eingeführt hätte, hätte das zwei Vorteile gehabt: Das Selbstbewusstsein der Ostdeutschen wäre höher gewesen, weil einiges eben doch was taugte, und: die Westdeutschen hätten ein Vereinigungserlebnis gehabt. In diesen Punkten hätte sich ihre Lebensqualität erhöht durch Hinzukommen des Ostens. Da würden sie auch ganz anders zurückschauen auf die Vereinigung. Das ist versäumt worden, das ist schade; aber vieles haben wir auch gewonnen.

Katia: Aber was machen Sie denn dann nach ihrem Rücktritt, haben Sie irgendwelche Hobbys, wie vertreiben Sie sich denn die Zeit?

Also erstens habe ich Ihnen, Frau Berg, ja versprochen, Ihnen beizubringen wie man ’n richtjes Spiegelei zubereitet – und damit habe ich ja ganz lange zu tun. Aber in Wirklichkeit ist es so: Ich bleibe ja Bundestagsabgeordneter, werde mich ein bisschen mit Außenpolitik beschäftigen, ich werde meinen Anwaltsberuf ausbauen. Ich Idiot habe leider unterschrieben, eine Autobiographie zu schreiben – mein Gott ist das anstrengend! Daran werde ich arbeiten. Ich werde Kolumnen schreiben. Aber wissen Sie was ich wirklich brauche? Ich brauche wieder die Herrschaft über meinen Terminkalender.


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