Weezer, Columbia Halle, Berlin
Foto: Sophie Euler

„We play some new shit, some old shit and some medium shit.“ | Weezer live in Berlin

▷ Letzte Änderung: 2017-10-16
By Sophie [FluxFM] |

Am 15. Oktober 2017 standen Weezer endlich mal wieder in Deutschland auf einer Bühne. Das letzte Mal habe ich die Band in der Großen Freiheit in Hamburg gesehen – das war im Jahr 2005. Nach 12 Jahren können sich da schon mal Nostalgiegefühle breitmachen. Beim Anblick eines Typen mit NOFX-Hoodie im Publikum, hatte ich eine Vorahnung – als dann Feuerzeuge anstatt Handytaschenlampen bei ruhigeren Songs in die Höhe gehalten wurden, war ich mir sicher: Dieser Abend wird eine Zeitreise in die Vergangenheit. Dass sie allerdings so schön wird, damit hätte ich nicht gerechnet.

Weezer, Columbia Halle, Berlin

Foto: Sophie Euler

Amerikanische Rockband-Attitüde dargeboten von vier Antihelden

Die Columbiahalle war gut gefüllt mit Menschen im Altersdurchschnitt von Mitte / Ende dreißig, was vor allem durch die wenigen hochgehaltenen Handys im Publikum positiv hervorzuheben ist. Die Bühne war auffällig unspektakulär gehalten: Das Weezer-Logo blinkte und leuchtete mit vielen LEDs im Takt zur Musik und ja, das war es auch schon. Rivers Cuomo & Co. brauchen offenbar keine Pyro und Schnick Schnack – sie hatten das textsichere Publikum bereits beim zweiten Song „Surf Wax America“ komplett auf ihrer Seite. Da wurde gepogt, vor Freude Bierbecher in die Luft geschleudert und bei wirklich jedem einzelnen Song legten unzählige männliche und weibliche Crowdsurfer ein paar Meter auf den Händen der hüpfenden Menge direkt in die Arme der Securities zurück.

Es war das, was man sich unter einem ganz klassischen Rockkonzert vorstellt: eine vierköpfige Band, ein einfaches Bühnenbild, Gitarrensoli, die auf den Knien oder Rücken an Rücken gespielt wurden, und ein zeitweise übertrieben breitbeinig dastehender Bassspieler. Eigentlich ja überhaupt nicht mein Ding, aber als Rivers Cuomo für eine kurze Umziehpause von der Bühne ging, und (warum auch immer) mit einem überdimensionalen Sombrero zurückkam, um „Beverly Hills“ zu performen, wusste ich wieder, warum ich Weezer mag: wegen ihrer Selbstironie. Diese amerikanische Rockband-Attitüde dargeboten von vier Antihelden, die sich selbst nicht so ernst nehmen, funktioniert – zumindest live – damals wie heute.

Warum covern die ausgerechnet diese Songs?

Warum es nach 10 Alben noch Coverversionen von „I Took A Pill In Ibiza“ und „Hey Ya!“ auf der Setlist braucht, hab ich selbst nicht verstanden. Die zwei Fans neben mir, die beeindruckender Weise wirklich jedes einzelne Weezer-Lied mitsingen konnten, haben diesen Gedanken von mir in Worte gefasst und gleich die passende Antwort geliefert: „Warum covern die ausgerechnet diese Songs?“ Antwort: „Wieso nicht!?“ – und das bringt eigentlich das ganze Konzert auf den Punkt.

Es war, wie von Frontmann Rivers Cuomo anfangs versprochen, eine musikalische Mischung aus „new shit, some old shit and some medium shit“ – wobei natürlich das Hightlight des Abends „old shit“ war, nämlich „My Name Is Jonas“. Der „new shit“ stammte vom noch unveröffentlichtem Album Pacific Daydream, das am 27. Oktober 2017 erscheinen wird. Würde sich eine Band neugründen und diese Art Musik machen, wären sie vermutlich wenig erfolgreich. Vielleicht lehne ich mich weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass die neuen Songs kein neues, jüngeres Publikum erreichen werden. Der dankbaren Verbeugung der Band am Ende des Konzertes nach zu schließen, brauchen Weezer aber auch gar keine neuen Fans, wenn sie schon so großartige „alte“ haben.

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