Ein Bild von Sven Drühl: SDSS (Invers Mirror)
Sven Drühl - SDSS (Invers Mirror) (Bild: CONRADS, Düsseldorf und Alexander Ochs Private, Berlin)

Sven Drühl | Radio Arty

▷ Letzte Änderung: 2016-09-22
By Andreas Kiener |
Im Radio:
22. September 2016, 19 Uhr
26. September 2016, 24 Uhr

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Diese Woche ist der Maler Sven Drühl zu Gast bei Radio Arty. Seine Ausstellung Simulationen – Landschaft jenseits der Wirklichkeit ist seit September im Haus am Waldsee zu sehen.


Name?

Sven Drühl

Wie beschreibst du / beschreiben andere deine Kunst?

Der Künstler und Mathematiker Sven Drühl zeigt mit Simulationen – Landschaft jenseits der Wirklichkeit eine große Einzelausstellung im Haus am Waldsee, die sich vor allem auf seine Landschaftsbilder fokussiert. Die Ausstellung macht deutlich, wie zentral das Motiv in diesem seit 2002 wachsenden Oeuvre ist.

Er widmet sich damit einem der ältesten Motivfelder der Malerei, das weit bis in die europäische Antike zurückreicht. Auch in der ostasiatischen Kunst, die Drühl interessiert, spielt die Auseinandersetzung mit dem Motiv der Landschaft eine zentrale Rolle.

Drühls Malerei ist flächig und plakativ. Ihre Farbigkeit orientiert sich an der künstlichen Natur. Entweder überzieht er leicht ins Signalhafte oder zitiert wie mit dem Zoom vergrößerten Motive in Schwarz-Weiß oder in Nachtschwarz. Drühl ist weniger an der Natur an sich interessiert, als an der Produktion von Bildern mit den Mitteln der Malerei, die er zugleich zu überwinden sucht. Er setzt gezielt Strategien des Samplings, Mixens und Neuverwertens ein, die aus der Musikszene bekannt sind.

Während DJs und VJs im Clubleben der Metropolen mit ihren Audiocollagen Künstlerstatus erlangt haben, entwickelt Drühl parallel Bilder, die sich aus internationaler Kunst seit dem frühen 19. Jahrhundert speisen. Mit seiner flächig-abstrahierten Maltechnik übersetzt er Zitate von Caspar David Friedrich, André Derain, Edward Theodore Compton, japanische Holzschnitte der 1920er-Jahre, Fotografien von Alfred Renger-Patzsch, Sebastião Salgado oder Wolfgang Tillmans, und neuerdings vor allem Computergrafiken in Bilder über Bilder.

Er arbeitet mit ungewöhnlichen Mitteln wie Silikon, Autolack und Öl und erschafft damit eine durchkonstruierte Welt der Künstlichkeit, die das virale, simultane und simulierte Potenzial unserer digitalisierten Gegenwart nutzt und sie als falsche Romantik ohne Emotion spiegelt. Es entsteht ein eigener Realismus, der das historische, tausendfach reproduzierte Original interpretiert und in die Gegenwart überführt.

Bereits der Titel der Ausstellung Simulationen verweist auf die wissenschaftliche Neugier und analytische Kraft des Künstlers. Nach einem Studium der Kunst und der Mathematik an der Universität Essen erhält Drühl Lehraufträge und Gastprofessuren in Essen, Frankfurt am Main, Dresden, Leipzig und Berlin. Er wird mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet, die ihn bis nach New York führen. Neben seiner Arbeit im Atelier promoviert der notorisch neugierige Vielarbeiter in Kunstwissenschaft und profiliert sich als Theoretiker und Kurator.

Was treibt dich an?

Energieüberschuss

Wann kann man das nächste Mal etwas von dir sehen?

Aktuell im Haus am Waldsee: Simulationen – Landschaft jenseits der Realität. Bis 6.11.16

Wer sollte dort vorbeikommen?

Alle

Was ist dein Kunst-Insidertipp?

Geht immer: Alte Nationalgalerie

Was muss man sonst noch über dich wissen?

Alles gesagt!


Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
14163 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 – 18 Uhr, Montags geschlossen

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