Aus Anything out of nothing (Fotoausschnitt) (Foto: Thijs Heslenfeld

„Anything out of nothing“ – ein Bildband über Geflüchtete

▷ Letzte Änderung: 2016-04-03
By Nina [FluxFM] |

In unserer Kategorie Horch, was kommt von draußen rein stellen wir euch immer wieder Menschen vor, die als Geflüchtete nach Berlin gekommen sind, hören uns ihre Geschichten an und wollen sie so besser kennenlernen. Darunter auch Geflüchtete aus Syrien.

Der Großteil der Menschen, die vor dem Krieg in Syrien auf der Flucht sind, macht sich aber gar nicht auf den Weg nach Europa. Die Mehrheit von ihnen lebt mittlerweile in den Nachbarstaaten Jordanien und im Libanon. Ihre persönlichen Geschichten erzählt der Bildband Anything out of nothing, den FluxFM-Reporterin Steffi Groth für euch entdeckt hat.

Man hört schon gar nicht mehr richtig hin, so alltäglich sind die Nachrichten über Geflüchtete geworden. Aber selbst wenn man richtig hinhört – wer genau diese Menschen auf der Flucht sind, welches Leben sie vorher geführt haben – das erfahren wir aus den Nachrichten nicht. Wir sehen Bilder von tausenden Geflüchteten an Grenzzäunen oder in Lagern. Bilder, die einem wenig Hoffnung lassen. So ging es auch dem niederländischen Fotografen Thijs Heslenfeld. Und umso überraschter war er, als er sich in Jordanien und dem Libanon selbst ein Bild machte:

„I would have expected a lot of people to basically be lost and not knowing where to go at all anymore. But what we experienced was basically the opposite. The Syrians we met still had so much strength and resilience, trust and love to give. They were doing everything they could to make something out of a really miserable situation.“

Anything out of nothing Dieses andere Bild wollte er den Leuten zeigen und hat deshalb das Buch Anything out of nothing herausgebracht, zusammen mit der Journalistin Rinke Verkerk. Gemeinsam besuchten sie zwischen 2012 und 2014 immer wieder geflüchtete Syrer im Libanon und in Jordanien. Sie zogen umher und warteten, was passiert. Der Rest ergab sich von allein:

„Making contact and trying to connect is not difficult at all, in my experience. As long as you are open… open yourself up! That is how it all starts!“

Bei einem ihrer Streifzüge durchs Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien ergab sich auch der Name für ihr Projekt: Anything out of nothing. Denn jedes Mal hatte sich wieder etwas verändert, hatten die Menschen sich etwas Neues aufgebaut: Zelt- und Containerdörfer, zahlreiche Geschäfte und florierende Märkte – alles quasi aus dem Nichts. Da der Krieg in Syrien anhält, können sie nicht auf eine baldige Rückkehr in ihre Heimat hoffen. Sie richten sich so gut es geht ein. Das Leben muss weiter gehen.


 

Man trifft auf den 9jährigen Ahmed aus Hama. Er würde so gern wieder in die Schule gehen. Aber das geht nicht, denn er arbeitet 6 Tage die Woche für 12 Stunden am Tag in einem Kaffeehaus in Beirut.

Da sind die beiden Freunde Anaz und Hussein, seit Kindheitstagen Nachbarn. Als Anaz in den Libanon flieht, geht Hussein mit, um seinen besten Freund nicht allein zu lassen.

Saleh (49) war vor dem Krieg Biologie-Lehrer. Stolz zeigt er seinen Käfig mit zwei schillernd gelben Kanarienvögeln. In Syrien hatten viele Leute Kanarienvögel. Sie singen zu hören gibt ihm das Gefühl zu Hause zu sein, sagt er.

Die 10jährige Rofran aus Aleppo hört noch immer den Lärm des Krieges – Flugzeuge, Bomben, Schüsse. Verletzt wurde sie auch, sie hat Narben am Arm, sagt aber, das stört sie nicht, die hat sie akzeptiert. Nur der Lärm im Kopf mache ihr immer noch Angst.

Wir alle kennen Geschichten über Geflüchtete. In Anything out of nothing erzählen sie selbst ihre Geschichte. Die sind schwer zu ertragen und heilsam zugleich, weil man auf Menschen trifft, wie du und ich.
 

Ein interessanter Bildband für all diejenigen, die die Menschen kennenlernen wollen, die hinter Schlagzeilen und Statistiken über Geflüchtete stecken. Das Buch kostet 27,50 € und von jedem verkauften Exemplar gehen 5€ an die Menschen im Flüchtlingslager Zaatari. Bisher konnten so schon mehr als 40.000€ gespendet werden. Mehr Infos findet ihr unter: anythingoutofnothing.com.

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