Die Partei-Wahlplakat am O-Platz (Bild: Diana Hagenberg)
Mit ihrem Fotowand-Wahlplakat am O-Platz hat die Partei neue Maßstäbe in Sachen Wahlwerbung gesetzt. (Bild: Diana Hagenberg)

Die 5 schlimmsten Wahlwerbefails der Parteien | Listomania

▷ Letzte Änderung: 2016-09-09
By Diana Hagenberg [FluxFM] |

Berlins Politiker sind im Social-Media-Wahn: Die SPD sucht ihre Wähler auf Tinder und die CDU geht auf Pokémonjagd. Aber all das wird in den Schatten gestellt, wenn man sich die Wahlwerbeclips der Berliner Parteien anschaut. Von der Bezirks- bis zur Landesebene, die Pressearbeit der Berliner Parteien produziert so viele – naja sagen wir mal – Videos, dass es uns eine Listomania wert ist. FluxFM-Redakteur Torben Lehning hat die 5 schlimmsten Wahlwerbeclips rausgesucht.

 

Platz 5: Sabine Toepfer-Kataw rettet die Welt

Beginnen wir mit einer Koryphäe der Selbstinszenierung, Sabine Toepfer-Kataw von der Neuköllner CDU. Den gesamten Spot über ist die Kandidatin zu sehen, wie sie allerhand nichtssagende Handlungen ausführt. Laufen, sitzen, springen, reden – allerdings ohne Text. Mal als Bewegtbild, mal als Foto. Das übergreifende Narrativ des Spots: Frau Toepfer-Kataw ist eine Agentin für die Gropiusstadt, die die WELT rettet. Die Spionagemusik sowie vor allem die wenigen Views befeuern Frau Toepfer-Kataws Agenenten-Image, denn sie agiert wohl wirklich aus dem Untergrund.


 

Platz 4: Piraten bei der Gamescom

Die Piraten sind im Internet zu Hause. Eine steile These, wenn man sich ihre aktuellen Videos im WWW ansieht. In einem sieht man zwei Piraten auf der Gamescom, der weltweit größten Messe für interaktive Unterhaltungselektronik. So weit, so gut. Doch dann fragen sie Killerspiele zockende Maniacs, wie sie ihre Politik in Zukunft gestalten sollen… Was prinzipiell nach einer vielversprechenden Idee zur Kontaktaufnahme mit Jungwählern klingt, wirkt jedoch allerdings schüchtern bis verstörend.

 

Platz 3: Oliver Igel schnüffelt sich durch

Wenn ihr im Wahlkampf irgendwo Schnüffelgeräusche hört, dann ist das der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel. In 30-sekündigen Clips – oder besser gesagt Diashows – wirbt die SPD Treptow-Köpenick für ihre Wahlkampfveranstaltungen. Zum Beispiel eine Kaffeeklatsch-Fahrt auf einem Kanaldampfer – mit Igel. Oder einen Kinoabend – mit Igel. Also im Prinzip alles für Rentner – mit Igel. Der Slogan des Videos lautet Dem Igel auf der Spur. Das Logo des Videos ist ein süßes Bild eines Igels mit roten Pausbäckchen und Brille, das wahrscheinlich durch Kinderarbeit und Wachsmalkreide entstanden ist.

Platz 2: Kein Song für die AfD

Berlin braucht Regeln, Berlin braucht Sicherheit, Berlin braucht einen neuen Song für den AfD-Wahlwerbespot. In diesem sind jede Menge Leute zu sehen, die sich eine babyblaue Brille aufsetzen, um somit ihren Blick ins rechte Licht zu rücken. Den Soundtrack ursprünglichen Soundtrack Lone Digger ergaunerte die Partei für Sicherheit von der französischen Band Caravane Palace. Als diese davon erfuhren, hetzten sie ihre Plattenfirma Warner/Chapelle Music als Kettenhund auf die Anti-Kriminalitäts-Partei. Ergebnis: Der Clip war auf Youtube leiiider nur ohne Musik zu sehen. Die Schuld sucht die AfD übrigens bei der Demokratie, schließlich sei es ein Unding, dass kein deutscher Musikverlag ihnen die Freigabe für Musik erteilen möchte.
Mittlerweile ist das Video entfernt, als Ersatz deshalb der Anti-AfD-Song von Jennifer Rostock.

 

Platz 1: Der Viral-Hit der CDU
Diesen Fehler der AfD wollte die Berliner CDU nicht ebenfalls begehen, sodass sie kurzerhand ein eigenes Musikvideo produziert hat. Direkt sorgte es im Netz für Furore und ging viral, wenn auch nicht ganz so, wie beabsichtigt. Unter diesem Gesichtspunkt ist der erste Platz jedoch allemal verdient, denn schon nach wenigen Takten des Schlagerstadl-Liedchens, wünscht man sich den gröhlenden Volker Kauder zurück, der siegestrunken An Tagen wie diesen anstimmt. Während die Ballermann-Melodie im Stile von Malle ist nur einmal im Jahr ertönt, zeigt der Videoclip Berlin von oben, Berlin von unten und immer wieder ein Schild auf dem Starkes Berlin steht. Ist ja schließlich auch der Wahl-Slogan der CDU. Aber genug der Worte, lassen wir die Musik ganz für sich sprechen. Danke, CDU, für dieses Meisterwerk des popkulturellen Abfalls.

 

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